Mittwoch, 11. November 2015

deutsch-ungarische Kunstbeziehungen / Ingolstadt Projket

 JUKI

JUNGE UNGARISCHE KUNST IN INGOLSTADT


Malerin der Rost- und Pfützenabstraktionen

Dorina Csiszár lebt und arbeitet seit 2011 in Ingolstadt als freischaffende Künstlerin (Mitglied im Berufsverband Bildender Künstler). In den letzten 4 Jahren zeigte sie ihre jüngsten Werke mehrmals in Gruppen- und Einzelausstellungen in Ingolstadt.  Bis 19. Nov. 2015 sind Ihre Ausstellung unter dem Titel Verrostet im Bürgerhaus in Ingolstadt (Kreuzstraße 12) zu sehen. Die ausgestellten Exponate von Dorina Csiszár zeigen schwarz-grau-weiße und rostbraun-weiße Abstraktionen, die an Pfützen, Schlammflecken und rostige Oberflächen erinnern. Das sind Ergebnisse eines spannenden experimentellen Schaffensprozesses.  
Kleiner Vorgeschmack auf die Ausstellung

       


                                                    
  

Foto / Text: Szilvia Rad

Dr. Szilvia Rad ungarische Kunsthistorikerin, Expertin für deutsch-ungarische Kunstbeziehungen lebt und arbeitet in Bayern.



Dienstag, 10. November 2015

deutsch-ungarische Kunstbeziehungen - 21 Jhd. / München / Projekt


Ausstellung 

Krisztina Dózsa-Farkas
und Tony Kent

Kunstforum im Arabellapark, München 4. Mai bis 24. Juni 2016

Die Vernissage in Bildern

erstellt von Dr. Szilvia Rad, Kunsthistorikerin

  Die Vernissage der Künstlerin Krisztina Dózsa-Farkas (links) und des Künstlers Tony Kent (links)



 










 Die Künstlerin Kristina Kanan (in det Mitte) ihre Mutter (rechts) Dr. Szilvia Rad (links)
 







 

Die Künstlerin Krisztina Dózsa-Farkas (links) und Dr. Szilvia Rad (Kunsthistorikerin)

 
Die Geschichte, eines in München gemalten ungarischen Stilllebens 



Präsentation des Gemäldes Ungarisches Stillleben von Elisabeth Sorger

Zitat aus der Eröffnungsrede der Malerin Dr. Elisabeth (Erzsébet) Sorger: "Ich würde mit diesem Logobild anfangen. Das nenne ich Ungarisches Stillleben, wegen des grünen Hintergrundes, der roten Vase mit dem Weiß, wie wahrscheinlich nicht jeder weiß, die ungarische Flagge ist rot-weiß-grün. Die Besonderheit von diesem Bild ist: Ich hatte jahrelang eine grüne Platte zu Hause und ich konnte damit nicht viel anfangen und irgendwann mal, wie gesagt, die Muse küsste mich [sic!] und entstand dieses Bild. Ich musste dieses Grün nicht malen. Das war schon gegeben. Ich mag dieses Bild." (Elisabeth Sorger im Münchner Sardenhaus, am 7. Juli 2015  https://www.youtube.com/watch?v=9dNa78nIMTs)
So charakterisierte die aus Ungarn stammende Künstlerin Elisabeth Sorger ihr Logobild  am 07. Juli 2015 in ihrer Rede zu Eröffnung der Ausstellung Art ist im Münchner Sardenhaus. Die in der bayerischen Hauptstadt lebende Malerin stellt in diesem Jahr das 11. Mal dort aus. Hier präsentiert sie dem kunstliebenden Publikum ihre neuesten Werke stets mit großer Freude. Besonderer Gast der Vernissage war dieses Jahr der Münchner Generalkonsul Ungarns Gábor Tordai-Lejkó. 
Elisabeth Sorger zeigt ihre Bilder seit Jahrzehnten regelmäßig in Deutschland, Ungarn und in Amerika. Zu ihren Lieblingsmotiven gehören Blumen, Blumensträuße, Klatschmohne, Tulpen, Gegenstandsstillleben, Landschaften, Küsten, Wasserpromenaden, Wälder, Wiesen und Tiefebenen. Mich als ungarische Kunsthistorikerin beeindrucken am meisten ihre vielseitigen ungarnspezifischen  Landschaftsdarstellungen und Stillleben.

Hier können wir kurz anmerken und festhalten, dass die Tradition des ungarischen Künstlerlebens in München nach dem Beispiel mehrerer bedeutender Künstler Ungarns weiterlebt. Sándor (Alexander) Wagner, Sándor (Alexander) Liezenmayer, Bertalan Székely, Mihály Munkácsy, Pál Szinyei Merse, János Thorma, Simon Hollósy -und wir könnten noch zahlreiche Namen aufzählen- lebten und arbeiteten am Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts jahrelang in München. Sie bereicherten sowohl das ungarische als auch das deutsche Kulturleben. Elisabeth Sorger tritt mit ihrem kleinen Münchner Atelier und leidenschaftlichen Kunstschaffen in die Fußstapfen dieser bedeutenden ungarischen Meister.

Historischer Ausblick: ungarische Kunst und Künstler im 20. und 21. Jahrhundert in der bayerischen Hauptstadt

Aus historischen Quellen wissen wir, dass die ungarisch-bayerischen Künstlerbeziehungen eine lange Tradition aufweisen. Den Forschern stehen zahlreiche Dokumente aus dem  19. und 20. Jahrhundert zur Verfügung, die bestätigen, dass Hunderte von ungarischen Malern und auch einige Kunsthistoriker die bayerische Hauptstadt mit Vorliebe als Inspirationsquelle, Studienort und internationale Kontaktaufnahmestelle wählten. Die in München entstandenen internationalen Beziehungen wirkten sich bis Nagybánya (Erdély/Siebenbürgen) aus, wo Simon Hollósy, János Thorma und ihre Künstlerkollegen ihre Münchner Privatschule 1896 mit einer internationalen Sommerschule ausbreiteten. Es kamen dorthin Schüler aus der ganzen Welt, um die neuartige naturorientierte Malerei zu erlernen. Zu der größten Gruppe der Schule zählte neben der ungarischen die deutsche. Das zeigt, dass die ungarischen innovativen Kunstlehrer auf die Münchner aufstrebenden Künstler einen starken Einfluss ausübten.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ließen die kulturellen Beziehungen wegen des kalten Krieges auf politischer Ebene nach. Mehrere Quellen weisen jedoch darauf hin, dass das bayerisch-ungarische kulturelle Leben von den ungarischen Dissidenten fortgesetzt wurde.
Nach dem Systemwechsel verstärkten sich die Beziehungen wieder. Nach den dunklen Jahren des Kommunismus arbeiten, studieren und stellen Künstler im vereinigten Deutschland regelmäßig aus. Umgekehrt trifft das auch zu: Es leben, arbeiten und stellen in Ungarn  viele deutsche Künstler aus.
Trotz dieser Fakten und Hinweise ist das Thema der bayerisch-ungarischen künstlerischen Beziehungen im 20. und 21. Jahrhundert immer noch ein historisch unentdecktes Gebiet der kunsthistorischen Forschung. Die vorlegende Arbeit will hierzu einen kleinen Beitrag leisten.
Nach dem kurzen historischen Überblick kehren wir zu dem zu untersuchenden Gemälde Ungarisches Stillleben  von Elisabeth Sorger zurück.

Vorstellung des Gemäldes


Das Gemälde Ungarisches Stillleben ist ein 50 x 30cm großes, auf Spannplatte gemaltes Ölbild, in dessen Mittelpunkt ein Blumenstillleben steht.                                                        
Im Zentrum der etwas kühlen Komposition befindet sich auf einer weißen Tischdecke eine runde rote Vase, die mit weißen Punkten bemalt ist. In der Vase sind weiße Hortensien in Fächerform arrangiert. Um die rote Vase herum sieht man purpurfarbene reife Kirschen links in einem Weinglas und vorne schräg auf einem grünen Kirschbaumblatt. Links von der Vase steht eine rote Kaffeetasse
mit Unterteller. In der Kaffeetasse ist ein weißes Textiltuch mit Spitzenrand rhombenförmig hineingefaltet. Das Textiltuch sticht aus dem grünblauen Hintergrund hervor, der ursprünglich eine Platte ist - siehe oben die Künstlerin wortwörtlich. Der Türkiston der Platte war gegeben und diesem wurden die anderen Farben des Bildes zugeordnet.

 Die Harmonie der Formen - Ikonologie
Die geometrischen Bauteile des Bildes können wir im Grunde in drei Gruppen aufteilen: genaues Rechteck/ungenaues Rechteck (Tisch, Wandfragment), Dreieck (Blumenstrauß), genauer/ungenauer Kreis (Kirschen, Blühten, Vasenbauch, Schlagschatten). Die letzte Form ist an manchen Stellen kugelförmig ausgearbeitet, wodurch die Bildtiefe effektiv sensibilisiert ist und die scharfen Linien sowie die Kontraste gedämpft sind (z.B. die Tischkante). Die Ausgewogenheit der Formen und Linien trägt maßgeblich zum Entstehen der bildlichen Harmonie bei.

Die Anordnung der Motive 
Die Motive des Gemäldes sind genau in der Mitte des Tisches in eine amorphe Ovalform zusammengedrängt. Die schweren, dichten Blüten fallen jedoch etwas nach rechts, dadurch wird die Wirkung/der Effekt der Verschiebung des Mittelpunktes erreicht, ganz im Sinne der Regel des goldenen Schnittes -als ob die Lebewesen wie die Blumen und Kirschen bewusst einander suchten. Die Vase, das aus der Kaffeetasse herausstehende Tuch und das Weinglas zeigen eine längliche Ausrichtung. Diese vertikalen Linien sind mit der scharfen horizontalen Tischkante im Hintergrund und dem quer liegenden Kirschbaumblatt im Vordergrund schön ausgeglichen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Richtungen der Linien akkurat ausbalanciert sind, sie stehen miteinander im Einklang.

Die Gesamtwirkung der Farben
 Im Grunde ist die Farbkomposition dieses sommerlichen Stilllebens kühltönig. Die kühlen Töne charakterisieren auch die Farbenwelt der sommerlichen Naturlandschaften. Im starken Sonnenlicht dunkeln die rotschaligen Früchte und werden bordeaux/purpurrot. Im Schatten erscheinen auch blautönige Flecken auf den Oberflächen. In sonniger dunstiger Luft treten die Pflanzen und Blumen oft mit kühlen blau-grauen Lichttupfen in Erscheinung. Häufig wirken die Lichtreflexe auch strahlend blauweiß. Auf dem Bild der Münchner Malerin dominieren die grau-lila-weißen Töne des sommerlichen Sonnenlichtspiels z. B. auf den Blüten der Hortensien und auf den Kirschen. Das tiefe Türkis des Hintergrundes, der Schlagschatten auf der Tischdecke und die schattigen Partien der Vase tragen zur kühlen Gesamtwirkung/Ausstrahlung des Gemäldes viel bei.

Weiße Hortensienblüten, rote Vase, reife purpurfarbene Kirschen  -  Ikonografie

Der im Mittelpunkt stehende bogenförmige Hortensienstrauß strahlt im graulila Licht auf dem Tisch. Auf den Blüten tauchen hie und da kühltönige gelbe Lichtreflexionen auf. Betrachtet man das Bild aus einigen Metern Entfernung wirken die Hortensien jedoch schmutzigweiß. In der Kunstgeschichte und Floristik haben weiße Blumen, wie in unserem Fall die Hortensie, eine besondere Bedeutung. Weiße Blumen sind mit der Vergänglichkeit und Trauer verbunden. Aus der Sicht der Ikonografie stellt das weiße Spitzentuch ebenfalls ein Trauersymbol dar. 
Die runde Blumenvase ist ikonografisch ein Symbol der Weiblichkeit und Sinnlichkeit, das auf die weibliche Lippe, den Kuss und die Fruchtbarkeit hindeutet. 
Im Bild sind die Sinnbilder der Vergänglichkeit und der Vitalität ausgewogen dargestellt, quasi als Hinweis auf die essentielle Bedingung des harmonischen Lebenskreislauf

Die Quelle der Inspiration
Die Zeit, die Elisabeth Sorger in den ungarischen Regionen,  Dörfern,  in der Nähe von Land- und Bauernhäusern verbrachte sowie die dortigen Erlebnisse und Naturspektakel haben auf sie offensichtlich eine große Auswirkung. Die an Wasser und Sonnenschein reichen ungarischen Landschaften, ihr Pflanzenreichtum, ihre Akazienbäume, farbprächtigen Blumengärten, reifen/süßen Kirschen und Gemüse dienen zahlreichen ungarischen Künstlern als Inspirationsquelle. Aus historischer und  ikonografischer Sicht hat dieser abwechslungsreiche Motivkreis in Ungarn eine langjährige Tradition – ein ewiges Thema klassisch und modern gleicherweise.

Zusammenfassung

Zauber der Einfachheit - Rätsel der Harmonie

Während der Analyse haben wir sehen können, dass es sich bei dem Gemälde Ungarisches Stillleben aus der Sicht der Formen- und Motivanordnung sowie der Farbenkomposition um ein Werk handelt, das kompositorisch sehr konzentriert aufgebaut ist, nach Einfachheit strebt und eine angenehme Stimmung verbreitet. Betrachtet man die formalen Gesichtspunkte, ausgebreitet/ergänzt mit der Interpretation lässt sich feststellen, dass es hier um eine gut ausbalancierte Komposition geht.  Alles in allem liegen darin der Zauber und die harmonische Ausstrahlung dieses kleinen Ölgemäldes.

Szilvia Rad

Dr. Szilvia Rad Kunsthistorikern, Expertin für deutsch-ungarische Kunstbeziehungen lebt und arbeitet seit 20 Jahren in Bayern

Montag, 9. November 2015

 
 
Ausstellungsreihe Fluxus East
2007-2010
 
Im Rahmen des Projekts deutsch-ungarische Kunstbeziehungen im 20. 21. Jahrhundert
 
Zusammenstellung und Veröffentlichung dieses Texts auf dem Blog deutsch-ungarische Kunstbeziehungen von Szilvia Rad
Der komplette Text stammt aus der Webseite: http://www.fluxus-east.eu/?item=exhib&lang=de
 


Fluxus in Mittelosteuropa
 
 
Fluxus ist als (anti-)künstlerisches, internationales Netzwerk mit Zentren in den USA, Westeuropa und Japan bekannt. Aber wie stand es um die „intermediale“, Musik, Aktionen, Poesie, Objekte und Events umfassende Kunst jenseits des „Eisernen Vorhangs“? Welchen Widerhall fand Fluxus in den Staaten des ehemaligen Ostblocks und welche Parallelentwicklungen gab es?
Fluxus als „Aktionsprogramm“ – so der Exil-Litauer und selbst ernannte „chairman“ George Maciunas in einem Brief an Nikita Chruščev – sei prädestiniert, eine Einheit zwischen den „konkretistischen“ Künstlern der Welt und der „konkretistischen“ Gesellschaft der UdSSR herbeizuführen. Maciunas plante Fluxus als Kollektiv nach dem Vorbild der russischen LEF (Linke Front der Künste). Doch die in ausgefeilter kommunistischer Rhetorik in Manifesten und Briefen entwickelten Pläne – z.B. eine Performance-Reise der Künstler mit der Transsibirischen Eisenbahn – sollten Utopie bleiben. Ein anderes Fluxus East entwickelte sich seit 1962 im kreativen Austausch zwischen Fluxus-Künstlern und Künstlern/Musikern des ehemaligen Ostblocks und mündete unter anderem in Konzerte mit Fluxus-Kompositionen des Polnischen Radios (1964), in Fluxus-Konzerte in Litauen (1966), Prag (1966) und Budapest (1969) sowie ein späteres Fluxus-Festival in Poznań (1977).
Fluxus East ist eine erste Bestandsaufnahme der vielfältigen Fluxus-Aktivitäten im ehemaligen Ostblock; die Ausstellung zeigt Parallelentwicklungen und künstlerische Praktiken, die von Fluxus inspiriert waren und noch heute von jüngeren Künstlern aufgenommen werden. Neben „klassischen“ Fluxus-Objekten werden Fotografien, Filme, Korrespondenzen, Geheimpolizeiakten, Interviews, Musikaufnahmen gezeigt, die die Präsenz von Fluxus im ehemaligen Ostblock dokumentieren. Als interaktive Ausstellung will Fluxus East die intensive Begegnung mit Ideen, Arbeiten, Texten – teils als Faksimile zum intensiven Studium – ermöglichen. Die Ausstellung ist ein fortlaufendes, sich weiter entwickelndes Rechercheprojekt, das jeweils an die lokalen Gegebenheiten angepasst wird und aktuelle Forschungsergebnisse miteinbezieht.
Die wichtigsten Vertreter der ungarischen Fluxus Bewegung:  Endre Tót (lebt und arbeitet in Köln) Gábor Altorjai (lebt und arbeitet in Hamburg).
Qulle des Textes und Fotomaterials: http://www.fluxus-east.eu/?item=exhib&lang=de
Das oben stehende Infomaterial zusammenstellte und auf dem Blog veröffentlichte: Dr. Szilvia Rad ungarische Kunsthistorikerin mit dem Schwerpunkt deutsch-ungarische Kunst- und Künstlerbeziehungen, lebt und arbeitet in Bayern (seit 20 Jahren)
 

 


deutsch-ungarische Kunstbeziehungen - Projekt


ART COLOGNE 2015

 

              So ticken die Ungarn

– oder auch nicht

 

Im Rahmen des Projekts deutsch-ungarische Kunstbeziehungen im 20. und 21 Jahrhundert

zusammengestellt und veröffentlicht von Szilvia Rad

 

Dieses Jahr ist die ARTCOLOGNE neben ihren zahlreichen Ausstellern auch mit der ungarischen Sonderschau „Bookmarks“ vertreten. Präsentiert werden dort Impressionen ungarischer Neo-Avantgarde und Konzeptkunst ab den späten 60er Jahren bis heute. Doch was ist das Besondere an dieser „Sonder“-schau?

Fragt man Besucher der direkt am Eingang liegenden Ausstellung, hört man vor allem Attribute wie: „vielfältig“, „von allem etwas“ und „bunt“ – dieser Eindruck kommt insbesondere dadurch zustande, dass nicht ausschließlich ein Genre an Kunstwerken bedient wird, sondern Fotografien, abstrakte Gemälde sowie Skulpturen und andere skurrile Neuschöpfungen.

Orsolya Hegedus aus Ungarn betreut die Ausstellung und erzählt mir mehr über die ungarische Kunst: Was macht sie in ihren Augen so besonders? Der politische Background ist unter anderem für sie ein wichtiger Aspekt. Aber darauf solle man sich keineswegs beschränken. „Ungarn besteht aus vielen Einflüssen. Und diese sind nicht zu verallgemeinern – ein Mix aus unterschiedlichen Künstlern mit unterschiedlichen Geschmäckern.“ Darüber hinaus betont sie auch die Freiheit, die diese Ausstellung unterstreichen möchte – zu der Schaffenszeit wurden viele Schauen des herrschenden Regimes verboten, sodass Künstler oft nur isoliert arbeiten konnten. Ein Befreiungsschlag für die ungarische Kunst sozusagen und vielleicht sogar eine Art Mahnmal für die Zeit vor der wiedererlangten Freiheit.

Ob sie sich selbst als Ungarin fühlt, möchte ich wissen. „Im weitesten Sinne, ja. Aber es ist schwierig, weil damit oft noch viele politische Gegebenheiten der damaligen Zeit verbunden werden. Ich bin hier geboren und mag die Kultur – aber fühle mich vielmehr als Europäerin, als Mensch.“

Letztendlich ist das Besondere der Ausstellung vielleicht, dass es gar nichts Besonderes darstellen will und einfach Raum haben möchte, um zu sein – so wiees damals einfach nicht möglich war. Und auch soll es nichts typisch Ungarisches transportieren, sondern vielmehr kreative Arbeiten von Menschen, die endlich die Möglichkeit haben, ihre Kunst als „BOOKMARKS“, als einige Eindrücke wie „Lesezeichen“ in einem großen Buch, zur Schau zu stellen.      

Autorin: Nina Jerko

Quelle: http://journalcologne.hmkw.de/kunstundkoeln/2015/04/19/so-ticken-die-ungarn-oder-auch-nicht/

Editorin/Redakteurin: Dr. Szilvia Rad ungarische Kunsthistorikerin, Expertin für deutsch-ungarische Kunst- und Künstlerbeziehungen,  lebt und arbeitet seit 20 Jahren in Bayern

 


Dr. Szilvia Rad Art / Art history:  Mittenwald, Oberammergau, Bad Tölz / Bavaria/ Baj...

Dr. Szilvia Rad Art / Art history:  Mittenwald, Oberammergau, Bad Tölz / Bavaria/ Baj... :   Mittenwald, Oberammergau, Bad Tölz / Bavaria/ B...